Innovationsstandort Steiermark
2015-03-24 14:50

Veranstaltung – Innovationsstandort Steiermark

In Kooperation mit der Bank Austria hat der Rat am 24.3.2015 in der Alten Universität Graz ein Zukunftsgespräch zum Thema „Innovationsstandort Steiermark“ organisiert. Als Gastgeber haben Dr. Karin Schaupp für den Rat und Willibald Cernko für die Bank Austria die Begrüßung übernommen und auf die großen Baustellten der österreichischen FTI-Landschaft wie etwa das reformbedürftige Bildungssystem, den zu wenig ausgeprägten Wissenstransfer, das unzureichende Gründungsgeschehen oder die zu geringe Risikokapitalintensität hingewiesen. Der IV-Präsident der Steiermark Mag. Jochen Pildner-Steinburg und die Landtagsabgeordnete Mag. Alexandra Pichler-Jessenko machten in ihren einleitenden Bemerkungen auf die besondere Rolle der Steiermark im österreichischen FTI-System aufmerksam. 

Keynote Speaker war Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Staatsminister a.D. und Professor für Philosophie an der Ludwig Maximilians Universität in München. Nida-Rümelin, betonte die Bedeutung der passenden kulturellen Rahmenbedingungen und auch der Bildung für nationale Innovationssysteme. Seiner Meinung nach brauche es wieder mehr Freiräume, um kreatives Denken und Handeln zu ermöglichen. Diese gingen durch den heutigen Normierungsdruck in unserer Gesellschaft und vor allem im Bildungssystem zunehmend verloren, was zu einem Verlust an Kreativität führe. Diese sei aber Voraussetzung für Innovation. Kritisch äußerte sich Nida-Rümelin daher auch zum Bologna-Prozess, da die Verschulung des Studiums nicht dem selbständigen Denken diene – was aber das eigentliche Ziel einer universitären Ausbildung sein sollte. Bemerkenswert sei in diesem Zusammenhang, dass die im deutschsprachigen FTI-politischen Diskurs als Benchmark angeführten US-Eliteuniversitäten allesamt nach dem humboldtschen Universitätsmodell organisiert seien. Dieses suche man an deutschen und auch österreichischen Universitäten heute vergeblich. Um im globalen Wettbewerb bestehen zu können, brauche es laut Nida-Rümelin eine Rückbesinnung auf das humboldtsche Bildungsideal und mehr Freiräume für kreatives und neues Denken.

In der anschließenden von Dr. Ernst Sittinger (Mitglied der Chefredaktion, Kleine Zeitung) moderierten Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Christine Mannhalter, (Vizepräsidentin des FWF), Julian Nida-Rümelin, Mag. Jochen Pildner-Steinburg, Mag. Jürgen Roth (Vizepräsident der Wirtschaftskammer Steiermark) und Dr. Karin Schaupp  wurde vor diesem Hintergrund hinterfragt, welche Bedeutung der Grundlagenforschung für das Funktionieren des FTI-Systems zukommt, welchen gesellschaftlichen Auftrag etablierte Forschungsinstitutionen wie die Universitäten haben und welche Rolle die freie Wirtschaft übernehmen muss. Kritik wurde an der zögerlichen politischen Entscheidungsebene geübt, die notwendige Maßnahmen nicht oder mit zu wenig Nachdruck umsetzt. Einigkeit herrschte über die herausragende Bedeutung von Bildung, Forschung und Innovation für die Zukunft des Innovationsstandorts Österreich.

 

Die Pressemitteilung zur Veranstaltung können Sie hier downloaden.

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