Rat für Forschung und Technologieentwicklung und "Medianet" luden zur Veranstaltung STROM AUS DER WÜSTE
2012-01-19 15:32

Rat für Forschung und Technologieentwicklung und "Medianet" luden zur Veranstaltung STROM AUS DER WÜSTE

Wie schaffen wir eine nachhaltige Energieversorgung?

Wien, am 19. Jänner 2012

Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung hat in Kooperation mit „Medianet“ eine Podiumsdiskussion zum Thema „Strom aus der Wüste – Wie schaffen wir eine nachhaltige Energieversorgung?“ organisiert. Ziel der Veranstaltung war es, der Frage nachzugehen, ob eine nachhaltige Energiewende gelingen kann und welche Rolle Forschung, Technologie und Innovation dabei zukommt.

Die Lösung der Energiefrage ist heute eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen. Der ständig steigende Energieverbrauch und die derzeit bestehenden Techniken der Energieerzeugung sind aufgrund der mit ihnen verbundenen Belastung der Umwelt und der sich verschärfenden Ressourcenknappheit keine zukunftsfähigen Möglichkeiten, die Energieversorgung von Bevölkerung und Wirtschaft sicherzustellen. Die Internationale Energieagentur hat daher bereits in ihrem World Energy Outlook 2008 von einer notwendigen Energierevolution gesprochen. Wir stehen somit vor der Herausforderung, effizientere und gleichzeitig CO2-arme Energiesysteme entwickeln zu müssen.

DESERTEC liefert Strom aus der Wüste

In seinem Impulsvortrag skizzierte Dr. Thimo Gropp, Gründungsstifter der DESERTEC Foundation, die prinzipielle Machbarkeit einer sauberen und ausreichenden Energieversorgung Europas durch ein leistungsfähiges Netzwerk aus erneuerbaren Energiequellen im europäischen und nordafrikanischen Raum. Der Lösungsansatz von DESERTEC: Die Wüsten der Erde empfangen in 6 Stunden mehr Energie von der Sonne, als die Menschheit in einem Jahr verbraucht. In den Wüsten der Erde kann also durch bereits heute existierende Solarkraftwerke genügend sauberer Strom erzeugt werden, um die Menschheit nachhaltig zu versorgen. Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) ermöglicht es, diese Standorte zu erschließen. Anders als herkömmliche Wechselstromleitungen können HGÜ-Leitungen sauberen Strom über weite Distanzen befördern, bei geringen Verlusten von etwa 3 Prozent je 1.000 Kilometer.

Konsens über die zentrale Rolle von FTI

In der anschließenden Diskussionsrunde herrschte Konsens darüber, dass langfristig ein sicheres, umweltfreundliches und kostengünstiges Energiesystem aufgebaut werden muss, das auch den sozialen Bedürfnissen der Menschen gerecht wird. Einigkeit herrscht ebenfalls, dass langfristig ausgerichtete Maßnahmen im Forschungs-, Technologie- und Innovationsbereich wesentliche Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewältigung dieser Herausforderung sind. Nur wenn es gelingt, vollkommen neue bzw. stark verbesserte Energietechnologien zu entwickeln, kann auch in Zukunft eine verlässliche und erschwingliche Energieversorgung sichergestellt und eine rasche Umstellung auf ein CO2-armes, leistungsfähiges und umweltschonendes Energiesystem gewährleistet werden. Voraussetzung dafür bildet eine erfolgreiche und interdisziplinäre Energieforschung.

Peter Traupmann, Geschäftsführer der Austrian Energy Agency (AEA), stellte das Effizienz- und Verbrauchsthema zur Debatte. Seine These: Einsparungspotenziale suchen, alternative, heimische Ressourcen anzapfen und optimal nutzen. Im Effizienzbereich liegt aus seiner Sicht das größte Potential, um den Energieverbrauch und damit auch den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Für Brigitte Bach, Leiterin des „Energy Departments“ des Austrian Institute of Technology (AIT), ist eine innovative gesamtheitliche Systemintegration der existierenden Technologien ebenso wichtig wie weitere Fortschritte im Bereich der regenerativen Energien. Grundsätzlich seien die ambitionierten Ziele der EU zur Steigerung der Energieeffizienz und des Anteils erneuerbarer Energieträger sowie zur Senkung der CO2-Emissionen – Stichwort: Vision 2050 der Low Carbon Economy Roadmap – technisch bereits heute erreichbar.

Optimistisch zeigte sich auch Ingolf Schädler, Leiter des Bereichs Innovation im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie: Österreich habe die große Chance, sich als Global Player am erneuerbaren Energiesektor zu positionieren. Bereits heute sei Österreich in einigen bedeutenden Technologien Weltmarktführer. Hier gelte es, durch gezielte Forschungsförderung die Innovationsbasis weiterhin zu unterstützen, um auch in Zukunft die internationale Technologieführerschaft sicherzustellen. Gi-Eun Kim, Professorin im Department für Biotechnologie an die Seokyeong University in Seoul und Mitglied im Österreichischen Rat für Forschung und Technologieentwicklung, unterstrich die besondere Bedeutung internationaler Kooperationen: Nur wenn es gelingt, über nationale Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten, lassen sich Visionen wie DESERTEC erfolgreich umsetzen und gemeinsamer Nutzen für alle beteiligten Länder und deren Bewohner stiften.

Die Veranstaltung fand am 17. Jänner 2012 im Mozarthaus in Wien statt.

Die TeilnehmerInnen am Podium in alphabetischer Reihenfolge:

  • Mag.a DI Dr.in Brigitte Bach (Leiterin des „Energy Departments“ und Prokuristin des AIT Austrian Institute of Technology GmbH)
  • Dr. Thiemo Gropp (Gründungsstifter der Desertec Foundation)
  • Prof.in Dr.in Gi-Eun Kim (Professorin im Department für Biotechnologie an die Seokyeong University in Seoul, Mitglied im Österreichischen Rat für Forschung und Technologieentwicklung)
  • Min.R. Mag. Ingolf Schädler (Bereichsleiter Innovation im Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie)
  • DI Peter Traupmann (Leiter der Österreichischen Energieagentur)

 

Unterlagen: Power Point Folien des Vortragenden Dr. Thiemo Gropp

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an unseren Referenten Johannes Gadner.

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