Standortattraktivität

Standortattraktivität

Die Standortattraktivität bestimmt sich durch drei Faktoren:

  • Hochschulen,
  • außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und
  • Unternehmen.

Wie positioniert sich Österreich hier im internationalen Standortwettbewerb? Was sind die Stärken und Schwerpunkte? Was sollten sie sein? Was ist zu tun, um den Standort langfristig darauf auszurichten? Das sind die Fragen, die im Rahmen dieses Themenschwerpunkts beantwortet werden sollen.

 

Vision und Schwerpunkte

Analyse der Notwendigkeit und Eignung einer schwerpunktmäßigen Ausrichtung des österreichischen Innovationssystem in den Bereichen Hochschulen, außeruniversitärer und Unternehmensforschung zur Erreichung der Innovationsführerschaft und für das Bestehen im internationalen Wettbewerb.

Ziel ist es, gegenwärtige und zukünftige Stärkefelder zu identifizieren und zu analysieren. Nicht darunter zu verstehen ist eine Ausrichtung auf einzelne Schwerpunkttechnologien im Sinne der vergangen missionsorientierten Forschungspolitik. Diese birgt das Risiko einer nicht gerechtfertigten Vorwegselektion verbunden mit einer zu geringen Technologievielfalt und dem Ausblenden wichtiger Bereiche. Im Fokus stehen vielmehr die Fragen, wie technologiebasiertes Wachstum entwickelt werden kann und welche Maßnahmen bzw. Rahmenbedingungen für die jeweiligen FTI-Segmente dazu erforderlich sind. Thematischen Vorgaben im Sinne der Bewältigung gesellschaftspolitisch und ökologisch relevanter Herausforderungen sind der Vorzug zu geben.

Eine Studie über F&E, Unternehmensentwicklung und Standortattraktivität soll auf der Basis internationaler empirischer Evidenz und zugeschnitten auf die österreichische Situation unter anderem folgende Forschungsfragen beantworten: Wie stark können Ausgaben für Grundlagenforschung, Verfügbarkeit von Risikokapital, und fiskalische Innovationsanreize private F&E Ausgaben steigern? Welche Rahmenbedingungen erhöhen die Standortattraktivität für Unternehmen? Wie stark können höhere F&E-Ausgaben Investitionen in Ausrüstung und Anlagen sowie Unternehmenswachstum anstoßen? Und wie stark hängt umgekehrt die F&E-Intensität von den anschließenden Investitionsmöglichkeiten ab? Wie stark erhöhen F&E-Ausgaben die Wahrscheinlichkeit, ausländische Märkte zu erschließen und die Exporttätigkeit aufzunehmen? Sind Patentboxen (begünstigte Besteuerung von Patenterträgen) geeignet, F&E-Aktivitäten anzuziehen? Oder führen sie vielmehr dazu, dass lediglich Patente in steuergünstige Länder verschoben werden, um dort die Erträge niedriger zu versteuern? Welche Rolle spielt Open Innovation in diesem Zusammenhang?


Bedarfsorientierte (Aus-)Bildung und die Rolle der verschiedenen Institutionen

Die Entwicklung neuer Konzepte einer bedarfsorientierten Ausbildung qualifizierter Fachkräfte für Österreich erfordert eine gesamthafte Betrachtung akademischer und beruflicher Bildungswege und -ebenen; denn, (Berufs-)Entscheidungen werden in allen Bildungsebenen getroffen.

Wesentliche Rahmenbedingungen stellen der langfristige Bedarf, also die Entwicklung der Nachfrage und des Angebots an Fachkräften, Veränderungen in den Bildungsbiographien, Übergängen zwischen den Bildungswegen und -ebenen aber auch der demographische Wandel sowie Migration dar.

Neue und verbesserte Konzepte zur Steigerung des (nationalen) Bildungsstandes (Weiterbildung, LLL), der Attraktivität aller Bildungswege, Verbesserung der Durchlässigkeit etc. sollten die individuelle Bildungsentscheidung positiv beeinflussen. Im tertiären Sektor sind zusätzlich Maßnahmen zur indirekten Steuerung in Form von Studienplatzkapazitäten möglich. Die Erarbeitung von Konzepten dazu sollte in Form von Studien und in Kooperation mit dem Ministerium sowie intermediären Organisationen geplant werden.


Rahmenbedingungen für innovative Unternehmensgründungen

Basierend auf den Erkenntnissen der Studie des Rates FTE zum Gründungsgeschehen und des GEM Austria Reports 2014 sollen die aktuellen Rahmenbedingungen für junge innovative Unternehmen in Österreich erhoben und in Ergänzung zum Maßnahmenpaket der Gründerlandstrategie des BMWFW in Folge Maßnahmenvorschläge für die Regierung ausgearbeitet und empfohlen werden.

Österreichische Unternehmensgründer/innen haben um einiges schwierigere Startbedingungen als Gründer/innen aus anderen (EU-)Ländern. Nachteilige Rahmenbedingungen sind vor allem die hohe Steuerbelastung, die hohen Kosten, die restriktiven Arbeitsvorschriften und der bürokratische Aufwand, die mit einer Unternehmensgründung verbunden sind.

Es bedarf daher dringend der Schaffung gründerfreundlicher Rahmenbedingungen in diesem Bereich. Gerade auch indirekte Unterstützung durch steuerliche Maßnahmen trägt dazu bei, günstige Rahmenbedingungen für innovative Jungunternehmer zu schaffen. Hier können internationale Good Practices herangezogen werden.


Neue Instrumente und Finanzierungsformen für innovative Unternehmensgründungen

Den Unternehmensgründern fehlt es in Österreich an privaten Finanzierungsmitteln in Form von Fremd-, Wagniskapital und neuen Finanzierungsformen wie Crowdfunding (siehe Ratsstudie zum Potential von Crowdfunding). Im Finanzierungsbereich sind neben der Bankenfinanzierung, die an ihre Grenzen gestoßen ist, daher weitere Möglichkeiten für innovative Jungunternehmer und KMU zu entwickeln.

Die breite Palette von Crowdfunding, inklusive Peer-to-peer Lending und Crowdinvesting, sollte als ergänzendes Finanzierungselement durch einen effektiven und effizienten Rechtsrahmen gefördert und in eine wettbewerbsfähige Gesamtstrategie für Unternehmenswachstum integriert werden. Neben diesen alternativen Finanzierungsmechanismen können auch die Schaffung eines Business Angels-Freibetrags zur Eigenkapitalstärkung angedacht werden.

Es fehlt aber auch an attraktiven Bedingungen für privates Beteiligungskapital von Venturern und strategischen Investoren, um die Finanzierung langfristig sicher zu stellen. Es ist aber auch zu untersuchen, wie Banken mit dem Thema Risiko umgehen, etwa welche verbesserten Risikoanalysen für Gründungsprojekte herangezogen werden könnten.

Hier stellen sich unter anderem folgende Forschungsfragen: Wie stark können Mehrausgaben für Grundlagenforschung die private F&E anstoßen? Wie kann ein aktiver Markt für Risikokapital geschaffen werden, um Kapital auf besonders innovative, aber höchst riskante Unternehmen zu lenken? Wie gut ist der Bankensektor in der Lage, Kredite an nicht mehr rentable Unternehmen zu stoppen und die neue Kreditvergabe auf expandierende Unternehmen zu richten? Wie kann der Bankensektor in die Lage versetzt werden, F&E und Patente besser bewerten zu können, um Kreditvergaben zu erleichtern?  Welche Unterstützungsinstrumente für schnell wachsende Unternehmen können etabliert werden? Evaluierung der Idee eines Instruments zur Unterstützung des Wachstums junger Unternehmen, Fragen nach Scaling-up und damit verbundener möglicher Unterstützung.


Migration und Forschung

Die aktuellen Trends im Bereich Migration werden in Österreich eine demografische Veränderung bringen. Es ist daher von besonderer Bedeutung, die immigrierenden Personen auf Basis ihrer Bildung und ihrer Kompetenzen bestmöglich einzusetzen, sowie den Brain Drain zu reduzieren. Es geht hier um rechtliche und soziale Rahmenbedingungen, die auch standortrelevant sind. Der Rat wird sich dieses Themas mit klarem Fokus auf den Forschungsaspekt annehmen.

Die Bearbeitung erfolgt in Abstimmung mit dem Migrationsrat.

 

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